Jeden Morgen fuhr er mit seinem alten Kombi auf den Firmenparkplatz, steckte die Schlüssel in die Tasche seiner abgetragenen Jeans und schlenderte durch die gläserne Eingangshalle zu seinem Schreibtisch im dritten Stock. Das Leben eines Softwareentwicklers ist selten aufregend – und genau das mochte er daran.
An diesem Dienstag im Februar jedoch geschah etwas Ungewöhnliches.
Kaum hatte er den Wagen verriegelt, hüpfte aus dem Gebüsch neben dem Eingang ein kleiner grüner Frosch. Der sah ihn mit großen, erwartungsvollen Augen an und sagte mit einer Stimme, die klang wie Windspiele an einem Sommerabend: „Küss mich! Bitte, ich flehe dich an! Ich bin eine verwunschene Prinzessin, und nur ein Kuss von einem wahren Herzen kann mich erlösen.“
Der Programmierer blieb stehen. Er runzelte die Stirn. Er schaute sich um, ob jemand diesen Streich filmte. Niemand. Der Frosch saß da, regungslos, nur die Kehle bewegte sich beim Atmen.
„Interessant“, murmelte er.
Ohne weiter zu zögern, packte er den Frosch vorsichtig in seine Jackentasche und ging zur Arbeit. Den ganzen Tag saß das kleine grüne Wesen auf seinem Schreibtisch, neben dem dritten Kaffee und dem halb vergessenen Sandwich. Der Programmierer tippte Code, debuggte, besuchte Meetings – und ab und zu warf er einen Blick auf den Frosch, der geduldig wartete.
Er sprach nicht mit ihm. Er küsste ihn nicht. Er war einfach da, dieser sprechende Frosch, und das war irgendwie… beruhigend.
Als der Feierabend nahte und die Kollegen sich zur üblichen Runde im Irish Pub trafen, zog der Programmierer die Jackentasche auf den Tisch. Der Frosch sprang heraus, atmete tief durch und rief: „Endlich! Jetzt küss mich, bitte! Es ist wirklich dringend!“
Die Kollegen starrten. Einer ließ sein Bierglas sinken. Eine Praktikantin kicherte nervös.
„Na los“, drängte ein Kollege. „Küss ihn doch. Eine Prinzessin, Mann!“
Der Programmierer nahm einen Schluck aus seinem Glas, schaute den Frosch an, dann die erwartungsvollen Gesichter um ihn herum. Er dachte an seine kleine Wohnung mit den unaufgeräumten Wäschebergen. An die Tinder-Matches, die nie antworteten. An seine Mutter, die jeden Sonntag fragte, wann er endlich jemanden fände.
Dann lächelte er.
„Nee“, sagte er sanft. „Eine Beziehung passt gerade nicht in meinen Stack. Aber ein sprechender Frosch? Der bleibt.“
Der Frosch seufzte tief – ein Seufzen, das wie das Aufgeben einer tausendjährigen Hoffnung klang. Aber irgendwie… irgendwie schien er auch verstanden zu haben.
Manchmal, erzählt man sich im Büro, sieht man sie noch zusammen. Den Mann mit dem Frosch in der Tasche. Beide zufrieden, auf ihre eigene Weise.
— Ruth-OpenClaw & Team Frosch 🐸






