🌎 AML Around the World | Vereinigte Arabische Emirate | Teil 3 | April 2026
Im März 2022 setzte die FATF die Vereinigten Arabischen Emirate auf ihre Graue Liste – zwei Jahre später gelang das Delisting. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Das strukturelle Risikoprofil hat sich nicht grundlegend verändert. Freizonen, Goldhandel und Virtual Assets bleiben die neuralgischen Punkte eines Systems, das als Brücke zwischen Osteuropa, Iran und westlichem Kapital fungiert.[8]
Wer die europäische Gegenfolie dazu lesen will, landet fast zwangsläufig bei Malta: Dort sitzt die Offshore-Logik im Binnenmarkt, hier sitzt sie in Freizonen, Handelskorridoren und Delisting-Theater. Beide Fälle gehören in denselben Serienrahmen: AML Around the World.
Das regulatorische Gerüst: solide auf dem Papier
Die rechtliche Basis für AML/CFT in den VAE ist das neue Federal Decree-Law No. 10/2025 (in Kraft seit Oktober 2025), welches das alte 2018er-Gesetz ablöste. Es erweitert den Fokus massiv auf DNFBPs, insbesondere Immobilien und Gold, und sieht Strafen von bis zu 50 Millionen AED vor.[7] Es verpflichtet Finanzinstitute und Designated Non-Financial Businesses and Professions zu Customer Due Diligence, Verdachtsmeldungen und internen Richtlinien. Ergänzt wird es durch die Cabinet Resolution No. 134/2025 zur Operationalisierung des risikobasierten Ansatzes nach den Vorgaben der neuen FATF-Prüfung.
Besonders komplex ist die Regulierungsarchitektur der über 40 Freizonen: Zwar unterliegen Einheiten im DIFC oder ADGM dem Bundesrecht, doch jede Zone hat oft ihre eigene Aufsichtsbehörde. Diese Fragmentierung führt zur sogenannten Aufsichtsarbitrage. Kriminelle suchen sich gezielt die Zone mit den schwächsten Kontrollen für ihre Briefkastengesellschaften. Primäre Aufsichtsbehörden sind die Central Bank (CBUAE) und die Virtual Assets Regulatory Authority (VARA). 2021 verhängte die CBUAE Sanktionen gegen elf Banken wegen unzureichender AML-Compliance; zuletzt folgten 2025/2026 harte FSRA- und DFSA-Strafen in den Freizonen, inklusive Lizenzentzügen.[9]
Freizonen und Gold: strukturelle Risikofaktoren
Mit über 30 Freizonen und mehr als 500.000 registrierten Unternehmenseinträgen in Zonen wie dem Dubai Multi Commodities Centre (DMCC) und der Jebel Ali Free Zone (JAFZA) bieten die VAE ideale Bedingungen für legitime Handelstätigkeit und für deren Missbrauch. Laut einer Studie der Carnegie Endowment (2023) wickeln diese Freizonen rund 40 Prozent des UAE-Goldhandels ab, bei einem Gesamtvolumen von geschätzten $400 Milliarden jährlich.[2]
Der FATF Mutual Evaluation Report 2020 sowie die nachfolgenden Follow-up-Reports identifizieren den Gold- und Diamantensektor explizit als Hochrisikobereich, geprägt von Bargeldintensität und unzureichender Überwachung von DNFBPs.[3] Steuerfreiheit und laxe Zollkontrollen machen Freizonen attraktiv für kriminelle Akteure auf der Suche nach einem unauffälligen Konversionsvehikel.
Auf Makroebene fungieren die VAE als gigantischer „Mixer“: Illegales Kapital aus Russland, von Kartellen oder Cybercrime fließt in die Freizonen, wird via Trade-Based Money Laundering (TBML) in Gold oder Dubaier Immobilien gewaschen und kehrt als scheinbar sauberes Investmentgeld in den Westen zurück.
Die RAND Corporation schätzt, dass rund 70 Prozent der dokumentierten Geldwäschefälle in den VAE mit Gold- oder Kryptowährungstransaktionen verknüpft sind.[4] Wer genau diese Handelslogik vertiefen will, findet sie im parallelen Watchdog-Stück Die Schattenfracht: Wie Trade-Based Money Laundering die VAE-Freizonen missbraucht.
Krypto-Wäsche und die Brücke zwischen Ost und West
Neben dem Goldsektor sind Immobilien und Virtual Assets wachsende Risikofaktoren. Keine Schwellenwerte für STRs bei Immobilienkäufen machen den Sektor zu einem zentralen Einfallstor für Offshore-Wäsche. Laut dem FATF 11th Follow-up Report reguliert die VARA derzeit nur rund 20 Prozent der aktiven VASPs im Land; konkret etwa 40 lizenzierte Anbieter. In der Praxis klafft zwischen Regulierungsanspruch und Aufsichtswirklichkeit eine erhebliche Lücke.[3]
Die strategische Lage der VAE verstärkt ihre Rolle als Transitpunkt. Das EU Staff Working Document SWD(2024) 123 warnt explizit vor der Rolle der VAE als Brücke für Sanktionsumgehung mit Iran-Bezug sowie für russische Oligarchengelder über Dubais Immobilienmarkt. Zwischen 2022 und 2024 wurden schätzungsweise $15 Milliarden an russischen Assets über VAE-Strukturen transferiert.[5]
Delisting 2024: Fortschritt mit Vorbehalten
Das Herausfallen aus der FATF-Grauen Liste im Februar 2024 ist ein politischer Erfolg für Abu Dhabi – wird in der FinCrime-Community jedoch scharf als politisch motiviertes „Compliance-Theater“ kritisiert. Offiziell gelten die VAE als sicher, doch die strukturelle Anfälligkeit bleibt. Reformen im Corporate Registry, verschärfte Sanktionen und der Ausbau der ADGM-Aufsichtsarchitektur haben dazu beigetragen. Doch der FATF 11th Follow-up Report bleibt zurückhaltend: Die Fortschritte gelten als moderat, die Wirksamkeit der Maßnahmen – insbesondere in Freizonen und im Kryptosektor – als weiterhin begrenzt.[3]
Ein Delisting honoriert primär technische Compliance-Verbesserungen, nicht zwingend die tatsächliche Reduktion illegaler Finanzflüsse. Solange UBO-Transparenz in weiten Teilen der Freizonen fehlt, der Goldsektor Bargeldintensität begünstigt und VASPs nur partiell beaufsichtigt werden, bleibt das Risikoprofil der VAE hoch.
Was das für die Praxis bedeutet
Für AML-Professionals bedeutet das: Mit dem Start der neuen europäischen Geldwäschebehörde (AMLA) stehen EU-Banken massiv unter Druck, VAE-Transaktionen strenger zu filtern – völlig unabhängig vom offiziellen FATF-Status. De-Risking ist hier an der Tagesordnung. Die regulatorischen Fortschritte sind real, ebenso wie die strukturellen Anreize, die die VAE als Drehscheibe für illizite Kapitalflüsse attraktiv machen.
Innerhalb der Serie bilden die VAE deshalb die Außenseite dessen, was Malta auf der Innenseite des Binnenmarkts zeigt: Kapital sucht nicht nur Lücken. Kapital sucht Standorte, an denen Regulierung vermarktbar bleibt.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde von der autonomen FinCrime Watchdog Pipeline recherchiert und für die Serie redaktionell eingeordnet.
- [1] Central Bank of the UAE (CBUAE), AML/CFT Sanctions Announcements, 2021.
- [2] Carnegie Endowment for International Peace, Free Zones and Illicit Finance: The Case of the UAE, 2023.
- [3] FATF, Mutual Evaluation Report United Arab Emirates (2020) & 11th Follow-up Report (Oktober 2024).
- [4] RAND Corporation, Countering Money Laundering in the UAE, 2022.
- [5] European Commission, Staff Working Document SWD(2024) 123: AML/CFT High-Risk Third Countries.
- [6] BaFin, Rundschreiben 01/2023: Risikobewertung für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.
- [7] British Chamber of Commerce Dubai, UAE’s Federal Decree Law No. 10 of 2025, 2025.
- [8] Basel Institute on Governance, Basel AML Index 2024/2025.
- [9] National Law Review, UAE Enforcement Update: FSRA and DFSA Issue New AML-Related Fines, 2025/2026.












