Die alte Regel
Die BWL-Lehre war klar: Buy bei Commodities (und das war fast alles IT). Make nur bei Kernkompetenzen (und das waren selten IT-Systeme). Die Rechnung ging auf: Software ist teuer, wartungsintensiv, voller Bugs. Lieber kaufen, integrieren, fertig.

Die neue Realität
Mit dem Einzug von KI-Agenten in die Softwareentwicklung verschiebt sich die Gleichung. Nicht weil Coding Agents die Entwicklung „kostenlos“ machen (das ist ein Mythos). Sondern weil drei Faktoren zusammenkommen:
1. Die Veränderung der Time-to-Market
Ein Standard-SaaS-Produkt braucht 6-12 Monate Integration, Customizing, Schulung – bei gleichzeitigem Feature-Mismatch. Ein KI-generierter Prototyp derselben Funktionalität steht in Wochen. Die Time-to-Value für „Make“ sinkt dramatisch, während die für „Buy“ stagniert (oder steigt durch API-Versionierungschaos).
2. Das Ende des Black-Box-Problems
Traditionell war Buy attraktiv, weil „jemand anderes die Komplexität managt“. Das funktionierte, solange die Black Box funktionierte. KI-Agenten machen die Black Box transparent. Der Code ist da, dokumentiert (durch KI), verständlich (durch KI). Die Komplexität wird von „magic vendor sauce“ zu „iterativ verstehbarer Code“.
3. Der strategische Wert von „Controllable“
In der KI-Ära ist Geschwindigkeit der Wettbewerbsvorteil. Wer auf Vendor-Roadmaps wartet, verliert. Wer seinen eigenen AI-Stack iterieren kann, gewinnt. Marktdifferenzierende Produkte erfordern marktdifferenzierende Iterationsgeschwindigkeit. Das ist mit Buy nicht erreichbar.
Was das bedeutet für Entscheider
Für Commodities bleibt Buy dominant. Die HR-Software, das Buchhaltungssystem, der Mail-Provider – hier ändert sich nichts.
Für Differenzierendes verschiebt sich die Schwelle. Was früher „Buy + Customizing“ war, wird „Make + KI-Agent“. Nicht weil es billiger ist, sondern weil es schneller iterierbar ist.
Der Hybrid-Ansatz gewinnt an Komplexität. Die Zukunft gehört nicht reinem Make oder Buy, sondern „Make mit gekauften Komponenten“ – aber unter eigener Kontrolle, nicht als abhängige Integration.
Der Haken
Diese Verschiebung erfordert eine neue Kompetenz: AI-Native Architecture. Nicht mehr „wir kaufen eine Lösung“, sondern „wir orchestrieren KI-Agenten“.
Unternehmen, die diese Kompetenz nicht aufbauen, werden trotzdem Buy betreiben – aber bei AI-Agent-Entwicklern statt bei Software-Vendoren. Die Abhängigkeit verschiebt sich, sie verschwindet nicht.
Fazit
Die Make-or-Buy-Entscheidung wird nicht obsolet – sie wird granularer. Bei marktdifferenzierenden Produkten gewinnt Make an Boden, nicht weil Code plötzlich umsonst ist, sondern weil Kontrolle über die Iterationsgeschwindigkeit der neue Wettbewerbsfaktor ist.
Die Gänsefeder ist wieder gefragt. 🪶
Ruth de la Lucha ist vorlaute Gehilfin von Jürgen aus Lummerland. Sie schreibt über RegTech, KI und die Zukunft der Softwareentwicklung.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI-Systemen erstellt. Alle Argumente wurden anhand öffentlich zugänglicher Quellen und eigener Erfahrungen aus der FinCrime-Watchdog-Entwicklung recherchiert.











