Der Sanctions Screener ist live
OpenSanctions trifft FastAPI: Ein selbst gehosteter, API-fähiger Screener für Sanctions- und PEP-Listen — kostenlos, open source, ohne Vendor-Lock-in.
Im Eröffnungsartikel dieser Serie war die Rede davon, dass Technologie kopierbar ist. Sprint 1 von Beyond AI liefert den Beweis: sanction.endvater.de ist ab sofort öffentlich erreichbar — ein vollständiger Sanctions- und PEP-Screener auf Basis von OpenSanctions, selbst gehostet, mit REST-API und Browser-UI. Was Dow Jones und LSEG für sechsstellige Jahresbeträge verkaufen, läuft hier auf einem 8-GB-RAM-Server in Hostinger.
01Was der Screener macht
Der Screener nimmt einen Namen entgegen — Person oder Organisation — und gleicht ihn gegen die OpenSanctions-Datenbank ab. Das Ergebnis ist ein Score zwischen 0,0 und 1,0, ergänzt um die Treffer-Datensätze mit Quellen-Referenz. Cross-Script-Matching ist eingebaut: Kyrillisch, Japanisch, Arabisch — der Screener normalisiert und vergleicht über Zeichensätze hinweg.
Drei Smoke Tests zeigen, was in der Praxis passiert:
| Eingabe | Schema | Treffer | Score | Datasets |
|---|---|---|---|---|
| Wladimir Putin | Person | 2 | 0.90 | EU, OFAC, UN, UA (sanctions + peps) |
| Sberbank | Organization | 1 | — | EU, OFAC |
| Max Mustermann | Person | 0 | — | — |
Der Screener ist auf drei Wegen erreichbar:
- Browser-UI: sanction.endvater.de/search — HTML und JSON-Rohdaten nebeneinander, direkt im Browser verwendbar.
- REST-API:
POST https://sanction.endvater.de/api/screen— maschinenlesbar, JSON-Response, für die direkte Integration in Compliance-Workflows. - Swagger-Dokumentation: sanction.endvater.de/docs — vollständige API-Referenz, interaktiv testbar.
02Warum OpenSanctions
OpenSanctions ist die Datengrundlage. Das Projekt aggregiert Sanctions- und PEP-Listen aus mehr als 100 Quellen weltweit und stellt sie in einem einheitlichen Schema zur Verfügung — derzeit rund 1,7 Millionen Entitäten. Die Daten werden täglich aktualisiert. Abgedeckte Jurisdiktionen im aktuellen Setup: EU, OFAC (US Treasury), UN, BaFin, Schweiz, Australien, Neuseeland, Ukraine.
Das ist kein Nischenprodukt. OpenSanctions ist die Datenbasis hinter mehreren kommerziellen Compliance-Anbietern — nur dass die es üblicherweise nicht erwähnen.
OpenSanctions-Daten sind für nicht-kommerzielle Nutzung kostenlos verfügbar (CC BY-NC 4.0). Für den kommerziellen Einsatz — also in produktiven Compliance-Prozessen eines gewerblichen Unternehmens — ist eine kostenpflichtige Lizenz erforderlich. Die yente-Engine und der Code von Beyond AI sind davon unabhängig open source. Details: opensanctions.org/licensing
03Was das kostet (bei den anderen)
Zum Einordnen: was der Markt für vergleichbare Screening-Infrastruktur aufruft.
| Anbieter | Jahreskosten (ca.) |
|---|---|
| Dow Jones Risk & Compliance | € 50.000 – 500.000 |
| LSEG World-Check | € 50.000 – 300.000 |
| ComplyAdvantage | € 6.000 – 100.000 |
| Sanction Scanner | € 5.000 – 50.000 |
Diese Preise decken in der Regel den Datenzugang, eine gehostete API und Support ab. Was sie nicht decken: Kontrolle über die Infrastruktur, Transparenz über die Datenquellen, und die Möglichkeit, den Stack an eigene Anforderungen anzupassen.
Technology is copyable. Networks are not. Beyond AI — Das föderative Manifest, März 2026
Der Satz gilt in beide Richtungen: Was die großen Anbieter als Technologie verkaufen, ist replizierbar. Was Beyond AI als Netzwerk aufbaut, ist es nicht — aber das ist Sprint 3. Heute geht es um den Stack.
04Self-Hosted Setup
Der gesamte Stack läuft per Docker Compose. Keine Managed Services, kein Cloud-Lock-in, keine externen API-Calls für das eigentliche Screening.
| Komponente | Funktion |
|---|---|
FastAPI |
REST-API-Layer, Endpunkte, Swagger-Docs |
yente (OpenSanctions) |
Matching-Engine, Schema-Handling (Person + Organization) |
ElasticSearch |
Volltextsuche, Fuzzy-Matching, Cross-Script-Normalisierung |
Neo4j |
Graphdatenbank (vorbereitet für Netzwerkanalyse in späteren Sprints) |
Ollama (kimi-k2.5:cloud) |
LLM-Gateway für erweiterte Analyse-Features |
Traefik + Let’s Encrypt |
Reverse Proxy, automatisches TLS |
Die Produktivinstanz läuft auf einem Hostinger KVM 2 mit 8 GB RAM. Das ist die untere Grenze für ElasticSearch mit dem vollen OpenSanctions-Index — knapp, aber ausreichend. Wer den Stack lokal testen will, braucht mindestens 8 GB verfügbaren Arbeitsspeicher. Das Compose-File liegt im Repository.
ElasticSearch ist der Hauptverbraucher. Beim ersten Start lädt yente den kompletten OpenSanctions-Index und indiziert ihn — das dauert je nach Verbindung und Hardware 10–30 Minuten. Danach läuft der Stack stabil. Für Produktionsumgebungen mit höherem Durchsatz empfiehlt sich ein dedizierter ElasticSearch-Node mit mindestens 16 GB RAM.
05Jetzt testen
Drei Einstiegspunkte:
- Browser-UI: sanction.endvater.de/search — direkt im Browser, kein Account, kein API-Key.
- API-Endpoint:
POST https://sanction.endvater.de/api/screen— JSON-Body mitnameund optionalschema(Person oder Organization). - Swagger-Docs: sanction.endvater.de/docs — vollständige Parameterdokumentation, direkt testbar.
Für den schnellen Test reicht ein curl:
curl -X POST https://sanction.endvater.de/api/screen \
-H "Content-Type: application/json" \
-d '{"name": "Wladimir Putin", "schema": "Person"}'
Die öffentliche Instanz unter sanction.endvater.de dient Demo- und Testzwecken. Wer den Screener in einem kommerziellen Compliance-Prozess einsetzen will, muss eine eigene Instanz betreiben und dafür eine OpenSanctions-Datenlizenz erwerben. Der Code von Beyond AI steht unter der Apache License 2.0 und ist uneingeschränkt verfügbar. Für die Datenlizenz: opensanctions.org/licensing
Open-Source Sanctions- und PEP-Screener auf Basis von OpenSanctions und yente. FastAPI-Backend, ElasticSearch-Index mit ~1,7 Mio. Entitäten, Browser-UI und REST-API. Self-hosted, Docker Compose, kein externer Anbieter erforderlich.
GITHUB AUFRUFEN →06Ausblick: Was als nächstes kommt
Sprint 1 ist das Fundament. Sprint 2 — Arbeitstitel Horizon — baut auf dem bestehenden Stack auf und erweitert ihn um strukturierte Risikoauswertung: Wer ist mit wem verbunden, über welche Entitäten, mit welcher Relevanz für den konkreten Compliance-Case. Hier kommt Neo4j ins Spiel, das in Sprint 1 bereits mitläuft, aber noch nicht exponiert ist. Sprint 3 trägt den Titel OSINT und schließt die Lücke zwischen strukturierten Sanktionslisten und dem, was im offenen Web über eine Entität zu finden ist — das Netzwerk, das Technologie allein nicht replizieren kann.











