GFT – Vom Dienstleister zum Compliance-Produktanbieter
Mit der Übernahme von targens aus den Händen der LBBW hat sich GFT fundamental verändert. Der IT-Dienstleister besitzt jetzt eine eigene Compliance-Plattform – die SMARAGD Suite. Was das bedeutet.
GFT war jahrzehntelang eines: ein IT-Dienstleistungsunternehmen mit tiefer Banken-DNA, gegründet 1987 in Stuttgart, spezialisiert auf die Implementierung und Integration von Finanztechnologie. Kein Produkthaus. Kein Softwarehersteller im klassischen Sinne.
Das hat sich geändert.
Die targens-Geschichte: Eine Bankentochter wird frei
targens ist kein Startup. Das Unternehmen entstand als interne IT-Tochter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) – als die LBBW ihre eigene Compliance-Software entwickelte und diese Kompetenz in eine eigene Gesellschaft auslagerte. Über drei Jahrzehnte baute targens die SMARAGD Compliance Suite auf: eine spezialisierte Plattform für AML, KYC und regulatorisches Risikomanagement.
Das Ergebnis: 7 der 10 größten deutschen Banken nutzen SMARAGD. Kunden in 56 Ländern weltweit. Ein Produkt, das aus dem Inneren der deutschen Bankenlandschaft heraus gewachsen ist – weil es von einer Bank für Banken gebaut wurde.
Was sich für GFT verändert hat
- Reiner IT-Dienstleister
- Kein eigenes Compliance-Produkt
- Neutrale Beratung und Implementierung
- Abhängigkeit vom Drittanbieter-Fundament
- Deutschland: kleinerer Markt
- IT-Dienstleister + Produktanbieter
- Eigene SMARAGD Compliance Suite
- Eigeninteresse an SMARAGD-Verkauf
- Produktkernkompetenz aufgebaut
- Deutschland: zweitgrößter Markt
Die SMARAGD Compliance Suite
Spezialisierte AML- und Compliance-Plattform, die aus dem Inneren der deutschen Bankenlandschaft heraus entstanden ist. Von einer Bank für Banken gebaut – jetzt in den Händen eines börsennotierten IT-Konzerns.
Das erweiterte Dienstleistungsportfolio
AML, KYC, Sanktionsscreening – jetzt als GFT-Eigenprodukt positioniert. Stark im deutschen Markt, mit wachsender internationaler Präsenz.
GFT implementiert weiterhin Systeme von NICE Actimize, Siron und anderen – jetzt aber mit eigenem Produkt im Rücken.
Begleitung bei der Migration regulatorischer Infrastruktur in AWS, Azure und GCP – inklusive SMARAGD-Cloud-Varianten.
Automatisierung von Meldepflichten gegenüber BaFin, EZB, FCA – kombiniert mit Compliance-Produkt-Know-how.
Der neue Interessenkonflikt
GFT hat ein neues Problem: Es ist kein neutraler Berater mehr. Wer GFT für ein Compliance-Projekt beauftragt, beauftragt nun ein Unternehmen, das ein eigenes Compliance-Produkt besitzt. Die Empfehlung, SMARAGD einzusetzen, liegt im wirtschaftlichen Interesse von GFT – unabhängig davon, ob es die beste Lösung für den spezifischen Kunden ist. Dieser Interessenkonflikt muss von Banken explizit in ihre Auswahlentscheidung einbezogen werden.
Stärken & kritische Punkte
- SMARAGD: aus der Bankenwelt für die Bankenwelt gebaut
- 7 der 10 größten deutschen Banken als Referenz
- Banking-IT-Expertise + Produktkompetenz vereint
- Starke Cloud-Strategie mit SMARAGD-Integration
- Globale Präsenz in 56+ Ländern durch targens-Kundenstamm
- Kein neutraler Berater mehr nach SMARAGD-Akquisition
- Umbenennungsbruch: targens-Marke aufgegeben
- SMARAGD muss unter GFT-Ägide modernisiert werden
- Interessenkonflikt: Produkt + Beratung im selben Haus
Fazit: Transformation in Echtzeit
GFT ist seit 2023 ein anderes Unternehmen. Die Übernahme von targens ist kein Zukauf am Rand – sie verändert das Geschäftsmodell fundamental. GFT war ein Dienstleister, der fremde Produkte implementierte. GFT ist jetzt ein Produktanbieter, der auch Dienstleistungen erbringt.
Das ist eine andere Geschichte. Ob GFT diese Geschichte überzeugend erzählen kann – und ob SMARAGD unter dem Dach eines börsennotierten IT-Konzerns die Produktenergie behält, die es unter der LBBW-Ägide entwickelt hat –, wird die nächste Phase entscheiden.
Institute mit komplexer IT-Infrastruktur, die SMARAGD einsetzen oder ausbauen wollen – und dabei von GFTs Banking-DNA profitieren. Mit offenen Augen für den Interessenkonflikt.












